Die Holding Graz setzt einen wichtigen Meilenstein in der Sicherung der Trinkwasserqualität:
Im Wasserwerk Feldkirchen entsteht eine moderne Naturfilteranlage zur Entfernung von PFAS aus dem Grundwasser.
PFAS, oder per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen sind künstlich hergestellte Chemikalien, die Wasser, Fett und Schmutz abweisen. Sie sind aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit als Ewigkeitschemikalien bekannt und gelten als gesundheitlich bedenklich.
Mit dem Pilotprojekt im Wasserwerk Feldkirchen, reagiert die Holding Graz frühzeitig auf neue gesetzliche Anforderungen und übernimmt damit eine Vorreiterrolle in der Steiermark.
Unser Büro wurde Ende 2024 seitens der Holding Graz mit der kompletten Einreich- und Ausführungsplanung für diese Anlage beauftragt. Die Planung war infolge der vorhandenen Randbedingungen (Pilotprojekt und straffer Zeitplan) herausfordernd.
Zusätzlich sind wir mit der begleitenden Bauaufsicht in der Projektumsetzung beauftragt.
Warum die neue Aufbereitungsanlage notwendig ist
Das Wasserwerk Feldkirchen versorgt die Stadt Graz seit Jahrzehnten zuverlässig mit Trinkwasser. Es wurde zwischen 1949 und 1965 errichtet und dient heute vor allem der Notversorgung und der Abdeckung von Verbrauchsspitzen.
Fünf Brunnen fördern das Grundwasser direkt über eine DN 700-Transportleitung in das Grazer Versorgungsnetz.
Seit den Jahren 2021/2022 wurden jedoch PFAS-Belastungen im Grundwasser festgestellt.
Ab 12. Januar 2026 ist gemäß Trinkwasserverordnung ein Grenzwert von 0,10 µg/l für die PFAS-Summe einzuhalten. Da von einem Anstieg der Konzentrationen auszugehen ist, entschied sich die Holding Graz zur Errichtung einer Aktivkohlefilteranlage.
Damit ist sie das erste Wasserversorgungsunternehmen in der Steiermark, das diese Substanzen aktiv aus dem Trinkwasser entfernt.
Zwei Ausbaustufen für maximale Versorgungssicherheit
Ausbaustufe 1
- Teilstrom von 100 l/s
- 4 Aktivkohlefilterkessel
- Adsorptive Behandlung des Wassers
Ausbaustufe 2 (bei Bedarf)
- Nachrüstung von 6 zusätzlichen Filterkesseln
- Aufbereitung der gesamten wasserrechtlich genehmigten Konsenswassermenge von 420 l/s
Die Anlage ist bereits jetzt für einen zukünftigen Spitzendurchfluss von 550 l/s ausgelegt. So kann die genehmigte Wassermenge künftig erweitert werden.
So funktioniert die neue Naturfilteranlage im Wasserwerk Feldkirchen
Nach der Aktivkohlefiltration wird das aufbereitete Wasser mit nicht aufbereitetem Brunnenwasser in einem statischen Rohrmischer vermischt. Anschließend gelangt es in zwei Zwischenbehälter aus Edelstahl mit jeweils 200 m³ Nutzvolumen.
Diese erfüllen zwei zentrale Aufgaben:
- Hydraulische Entkopplung zwischen Wassergewinnung, Aufbereitung und Netz
- Vorlagebehälter für die neue Hauptpumpstation
Von dort fördern sieben Pumpen das Trinkwasser mit einem Druck von bis zu 11 bar über die neue DN 700-Transportleitung in das Grazer Versorgungsnetz.
Zur zusätzlichen Sicherstellung einer hygienisch einwandfreien Trinkwasserqualität sind UV-Desinfektionsanlagen vorgesehen.
Technische Ausstattung und Infrastruktur
Die gesamte Naturfilteranlage ist in einem Hallenkomplex mit rund 800 m² untergebracht. Zusätzlich wird ein Betriebsgebäude mit etwa 110 m² errichtet.
Weitere Eckdaten:
- Elektrische Anschlussleistung: ca. 1.600 kW
- Eigene Trafostation mit zwei Transformatoren à 1.000 kW
- Notstromeinspeisung für maximale Betriebssicherheit
Bei der Erst- bzw. Wiederbefüllung der Aktivkohlefilterkessel erfolgt eine Inbetriebnahmespülung.
Das Spülwasser wird in einem 90 m³ großen Absetzbecken gesammelt, der Aktivkohleschlamm fachgerecht entsorgt und das Klarwasser in die Mur eingeleitet.
Bauzeit und Investition
Die Umsetzung des Projekts ist im Zeitraum Februar 2026 bis Juni 2027 geplant.
Die veranschlagten Netto-Gesamtkosten betragen rund 10 Millionen Euro.
Für das Bauvorhaben können Fördermittel von Bund und Land in Anspruch genommen werden.
Ein wichtiger Schritt für die Trinkwassersicherheit in Graz
Mit der Errichtung der Naturfilteranlage im Wasserwerk Feldkirchen setzt die Holding Graz ein starkes Zeichen für Qualität, Vorsorge und Versorgungssicherheit.
Die frühzeitige Umsetzung der PFAS-Entfernung stellt sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Graz auch künftig mit hochwertigem und hygienisch einwandfreiem Trinkwasser versorgt werden.
Dieses Projekt zeigt, wie wichtig vorausschauende Planung, moderne Technik und verantwortungsvolles Handeln in der Wasserwirtschaft sind.
Wir von Mach & Partner haben über 30 Jahre Erfahrung im Bereich Wasserwirtschaft und Kulturtechnik.
Für Rückfragen steht Ihnen Herr DI Wilfried Ambrosch gerne zur Verfügung.